Montag, 21. april 2008

 

Diese Zeilen sollen Väter oder auch Mütter daran erinnern das die Kinder auch nach der Scheidung ihren Elternteil brauchen.

 

Es ist nun schon eine ganze Weile vergangen, als ich von meiner ersten Frau geschieden wurde. Aus unserer kurzen, Ehe 3 Jahre, entsprangen 2 wundervolle Kinder, Olivia und Frederik. Sie sind beide heute 17 und  16 Jahre alt. Als ich geschieden wurde waren die beiden 4 und 3 Jahre alt.

Bei den Scheidungsvorbereitungen auf dem Jugendamt wurde mir angeraten doch ein gemeinsames Sorgerecht in betracht zu ziehen. Das hörte sich gut an, denn ich wollte meine Kinder doch mit begleiten auf ihrem Weg durchs Leben. Klasse und da gab es das gemeinsame Sorgerecht. Ich war begeistert, was können denn die armen Würmer dafür das die Eltern nicht mehr mit einander klar kommen und so gäbe es die Möglichkeit sich die Kinder zu teile.

 

 Ich erzählte meinem Rechtsanwalt von der Idee. Nach einem kurzen Moment bat mich der Rechtanwalt ihm zu erzählen was ich mir denn unter dem gemeinsamen Sorgerecht vorstellen würde. Ich begann ihm zu erzählen das ich der Meinung bin mitentscheiden zu dürfen auf welche Schule die Kinder irgendwann gehen würden, wenn meine Exfrau abends mal ausgehen möchte, welchen Babysitter wir dann einsetzen würden, das die Kinder meinen Namen weiter Tragen würden, das ich immer für sie da bin falls meine Exfrau mal nicht da ist oder krank ist, usw, usw.

 

Mit einem kurzen, stechenden Satz, der mir tief in mein Herz ging antwortete mein Rechtsanwalt: All das haben sie nicht mit zu entscheiden, das ist alles Sache des Elternteils bei dem die Kinder leben.

Ich hatte also gar kein Recht mit zu reden oder eine gemeinsame Sorge zu tragen.

Welche rechte habe ich denn überhaupt? Fragte ich meinen Rechtsanwalt.

Sie habe das Recht auf einen regelmäßigen Kontakt zu den Kindern und sie haben die Pflicht Unterhalt für die Kinder zu tragen. Sollte ihre Frau irgendwann nicht mehr in der Lage sein, aus verschiedenen Gründen, das Sorgerecht auszuüben, habe ich das als nächster Verwandte die Kinder in meine Obhut zu nehmen. Aber auch nur dann wenn Ihre Exfrau nicht wirklich was dagegen haben würde. Ansonsten müsste ich, um das Sorgerecht zu bekommen, Klagen.

 

Toll! Ich fühlte mich wie ein Arsch, der nur Zahlen darf für seine Kinder, ab und zu die Kinder sehen darf und sonst nichts. Keine weiteren Rechte.

 

Aber ich will doch für meine Kinder da sein!

 

Zähne knirschend habe ich dann auf das gemeinsame Sorgerecht verzichtet.

 

Nach der Scheidung war ich bemüht einen regelmäßigen Besuchskontakt aufzubauen. Ich legte meine Arbeit immer so das ich am Freitag rechtzeitig fertig war um dann meine Kinder über das Wochenende 2mal im Monat zu haben. Das ging das erste halbe Jahr auch ganz gut nur dann fing meine Exfrau an, das es an diesem Wochenende nicht gehen könne da sie etwas anderes vor hätten. Nun ja das kann ja mal passieren ist ja nicht weiter so wild, dachte ich mir. Die Termine an denen ich meine Kinder sah, wurden immer weniger und wenn die Kinder dann mal bei mir waren fragten sie mich warum ich denn nicht an den anderen Terminen gekommen bin? Ich war verdutzt und sagte dann das sie mit ihrer Mama ja gar nicht da waren und was anderes gemacht hätten. Nach kurzer Zeit sagte meine Tochter dann: Wir waren nicht weg! Wir haben das ganze Wochenende auf dich gewartet. Ihrer Mutter hätte zu Ihnen gesagt das ihr Vater dieses Wochenende nicht käme!

Da fiel mir fast alles aus dem Gesicht. Meine Exfrau versuchte also meinen Besuchskontakt zu boykottieren.

Ich bat meine Exfrau um ein Gespräch um dieses Thema zu klären.

Wie erwartet ist es natürlich gar nicht wahr was die Kinder erzählen und sie hätten andere Sachen gemacht. Auf meine Frage was sie denn unternommen hätte bekam ich keine Antwort.

Das ganze ging noch so ein halbes Jahr weiter. Ich fing an den Kinder vermehrt zu schreiben. Die Kinder litten unter der Situation und haben mich dann als Buhmann dahingestellt. Als wenn es immer an mir liegen würde das die Kontakte nicht zu Stande kämen.

 

Ich hatte jeden Schriftwechsel und jedes Telefonat in Stichworten festgehalten und habe mich schließlich ans Jugendamt gewandt. Ich schilderte dort dem Sachbearbeiter meine Situation. Er vereinbarte mit meiner Exfrau einen Gesprächstermin, der aber zu nichts führte.

Da die Situation nicht besser wurde und meine Kinder, wenn ich sie dann mal sah, immer aufgewühlter waren und mir immer mehr Vorwürfe machten, das ich nicht zum vereinbarten Termin gekommen bin, entschloss ich mich schweren Herzens das Besuchsrecht für ein Jahr ruhen zu lassen. Ich Informierte das Jugendamt davon und dann schrieb ich den Kindern nur noch, in der Hoffnung das die Briefe bei ihnen ankämen und sie ihnen vorgelesen würde.

 

Nach genau einem Jahr bat ich das Jugendamt um einen gemeinsamen Gesprächstermin mit meiner Exfrau. Wir wurden darauf beide eingeladen und ich erklärte das ich das Besuchsrecht wieder aufnehmen würde wenn es eine klare Absprache gäbe und die Termine nicht ständig umgeworfen würden.

Das Jugendamt fragte bei meiner Exfrau dann nach warum es in der Vergangenheit nicht geklappt hätte und ob denn meine Briefe angekommen wären die ich an die Kinder geschrieben habe. Die Briefe hätte sie den Kindern nicht gezeigt, es wären ja nur häusliche Mitteilungen gewesen. Warum die Termin früher nicht zustande gekommen sind wüsste sie nicht mehr.

Das Jugendamt machte ihr darauf hin unmissverständlich klar das sie nicht zum Wohle der Kinder handle und ich die Möglichkeit hätte das Sorgerecht einzuklagen und vom Jugendamt auch die volle Unterstützung bekommen würde wenn sie jetzt nicht gegen lenken würde.

Die Besuchstermin wurden dann über ein Jahr vom Jugendamt festgelegt und es klappte ein wand frei.

Meine Exfrau konnte sich dann jedoch nicht verkneifen ihren Mädchennamen wieder anzunehmen und auch für die Kinder die Namensänderung zu beantragen. Ich bekam ein Schreiben vom Gericht ob ich damit einverstanden wäre? Ich verneinte das Schreiben was aber auch egal war die Namensänderung wurde bewilligt.

Hier hätte ich auch bei einem gemeinsamen Sorgerecht keinen anderen Einfluss gehabt.

 

Die Kinder gingen dann in die Schule und ich beruflich in eine Großstadt und war nun 2 Stunden Fahrzeit von Ihnen entfernt. Ich schrieb meine Exfrau an und schlug ihr vor das wir uns ja die Ferien teilen könnten statt jedes 2 Wochenende. Es kam keine Reaktion. Statt dessen bekam ich jetzt jedes halbe Jahr Post von irgendwelchen Rechtsanwälten und sollte mein Einkommen dalegen. Ich schrieb den Kindern und machte den Vorschlag noch ein mal. Wieder keine Rektion. Mittlerweile waren sie umgezogen und hatten eine neue Telefonnummer und eine neue Adresse. Ich war in der neuen Firma sehr eingespannt und hatte den Kontakt zu den Kindern wieder verloren. Das tat ungemein weh. Ich habe viel darüber nachgedacht ob ich jetzt wieder das Jugendamt einschalten sollte, Nachforschungen betreiben sollte oder was ich überhaupt noch machen könnte.

 

Aus betrieblichen Gründen wurde ich dann zusammen mit weiteren 25 Leuten gekündigt. Der Betriebszweig in dem ich tätig war wurde eingestellt.

Aus weiteren Niederschlägen, über die ich vielleicht später hier kommen werde, wurde ich sehr krank und ging für ein halbes Jahr in eine Depressionsstation. Ich konnte einfach nicht mehr. Immer wenn ich Kraft hatte habe ich meinen Kindern geschrieben, bekam aber nie eine Antwort.

 

Es ist nur ein Frage der Zeit und die Kinder werden sich bei dir melden! Hörte ich Freunde und Verwandte sagen. Es ist nur eine Frage der Zeit wann du sie wieder sehen wirst. Es ist nur eine Frage der Zeit und alles wird gut.

 

4Jahre später klingelte mein Telefon. Es war meine Tochter. Sie wären in der Stadt und ob ich Zeit hätte? Ich sagte nein ich habe keine Zeit aber wir können uns ja verabreden. Ich fragte noch wie es ihr ginge und auch ihrem Bruder. Gut lautete die Antwort und gab mir ihr Telefonnummer. Ich rief sie später noch mal an und wir verabredetet uns. Die ersten 2 Termine haben dann nicht geklappt. Aber dann ! Sie kam mit einer Freundin und wir hatten uns viel zu erzählen. Warum wir uns so lange nicht mehr gesehen haben spielte keine Rolle dabei und sie begrüßte mich als wäre ich gerade mal 4 Wochen nicht da gewesen. Es war ein tolles Gefühl. Später machten wir dann noch einen Termin mit meinem Sohn zusammen. Und so entstand der neue Kontakt. Er ist jetzt lose und ungezwungen, wir treffen uns mal im Internet oder wir telefonieren mit einander oder sie kommen einfach mal vorbei.

 

Ja, ich bin ihr Vater! Nicht mehr der Vater im klassischem Sinne, da bin ich nur ein neuer Freund für sie, aber ich bin der Vater! Und das bleibe ich bis an mein Lebensende. Mit hauptsächlich Pflichten und wenig Rechten.  Aber ich bin ihr Vater und werde immer für sie da sein wenn sie mich brauchen.

 

Andreas Berger

von Andreas Berger - veröffentlicht in: Gesellschaft
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